Leben ist abtauchen

Vitoria saß in ihrem Zimmer, eingemurmelt in ihrer Decke, noch im Schlafanzug, mit Wollsocken an den Füßen und einen Schal um ihren Hals.
„Das ist das schönste an Winter“, dachte sie „Dass man verschwinden kann“, seufzend ließ sie sich noch tiefer in ihre Kissen sinken, mit ihrem Körper sich noch tiefer in die Laken drückend, sodass sie fast eins mit ihrem Bett wurde.

Im Zimmer roch es nach Zimt und Orange, es war übersät mit Kerzen, auf der Fensterbank, auf dem Beistelltisch, auf den Regalen an der Wand über Vitoria’s Bett. Sie waren die einzige Lichtquelle im Raum und warfen schemenhafte tanzende Schatten an die Wände. Diese waren in Hellrot und Braun gehalten. Die Möbel, aus verschiedenen Flohmärkten und Wohnungsauflösungen. Sie waren liebevoll ausgesucht, auf einander abgestimmt, im alten Stil, mit viel Schnörkel und gaben dem Zimmer einen besonderen Charme. Vitoria selbst sagt, sie seien Antiquitäten, und zu jedem Möbelstück, hatte sie eine Gesichte zu erzählen.

An ihrem Tee schlürfend, sah sie sich das Buch vor sich an und strich mit den Fingerspitzen über den Titel. Vitoria schlug es mit der einen Hand auf, stelle die Teetasse, die sie in der anderen Hand hielt ab und versank mit ihrer Nase zwischen den Buchseiten. Tief sog sie den Geruch von Papier ein. Jedes Buch roch anders. Sie blätterte zur ersten Seiten und las „In Erinnerung an Vitoria“ 
Jedes mal musste sie bei diesem Satz schmunzeln. Sie fühlte sich angesprochen, ihr Herz machte einen Hüpfer. Ein Buch aufzuschlagen, versetzte sie in Aufregung. Jedes mal aufs Neue. Es war die Eintrittspforte in eine andere Welt. Ihr Notausgang aus dieser. 


Vitoria blätterte weiter, bis zum ersten Satz, flüsternd las sie ihn. Ihr Atem stockte, die Umrisse ihres Zimmer kaum mehr erkennend, blätterte sie zur letzten Seite des Buches.
Sie laß den letzten Satz.
Sie wusste schon , was sie erwartete, trotztdem nahm sie sich Zeit, ließ die Sätze in ihr wiederhallen, nahm sie auf, spürte wie sie auf ihrer Zunge zerflossen und sich in ihrem kopf ausbreiteten.
So machte sie es jedes Mal, wenn sie ein Buch anfing zu lesen.

Sie nahm noch einen Schluck Tee, blätterte zurück zur ersten Seite und tauchte ab. 

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